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Höllenstrafe, Seelenpein und der Traum vom schmerzlosen Leben

Schmerz! Wer zuckt nicht schon bei diesem Wort zusammen? Nur zu gern sind wir bereit, den inneren Peiniger mit ein paar Pillen niederzuknüppeln. Ohne zu fragen, was er eigentlich wollte und woher er kam. Wir handeln dann wie jemand, der abends seinen Wachhund einsperrt und obendrein noch die elektrische Alarmanlage abschaltet. Nur um ruhig schlafen zu können. Ein lebensgefährlicher Schlaf! Was uns Schmerzen sagen wollen und wie wir sie verstehen können, lesen Sie in diesem Beitrag.

Warum Schmerzen? Sind sie ein unveränderlicher Bestandteil der menschlichen Existenz? Oder sind sie etwa ein Überbleibsel früherer Entwicklungsstadien? Sind sie eine Prüfung Gottes, wie einige Theologen meinen oder sind sie so etwas wie eine Schallmauer zwischen Seele und Leib - der Grundriss des Seins, wie sich manchmal Philosophen ausdrücken?

Im Mittelalter erklärte man diese Geißel der Menschen mit Höllenstrafe und Sühnegeld für ein Verbrechen. Heute wird der Schmerz nicht mehr mit solch großen Worten erklärt. Der Arzt spricht schlicht von einer körperlichen Reaktion an der Grenze der biologischen Gefährdung.

Damit ist natürlich noch nichts über das Schmerzerleben gesagt. Das Problem liegt darin, dass  Schmerz in der Vorstellung des Menschen nicht reproduziert werden können, wie etwa der Hör-, Tast- oder Seheindruck. Das Schmerzempfinden ist mehr etwas Abstraktes, etwas - so möchte man meinen - "Außerkörperliches".

Die moderne Medizin hat heute genügend Schmerzmittel zur Verfügung. Sie hat also anscheinend den Schmerz "im Griff". Der Arzt ist damit in der Lage, seiner vornehmsten Aufgabe, nämlich Schmerzen zu beseitigen oder wenigstens zu lindern, in der Regel gerecht zu werden. Das umso mehr, wenn diese Schmerzen auf einen genau zu diagnostizierenden Krankheitsprozess  hinweisen.

Damit hat sich der Mensch den uralten Traum vom schmerzfreien Leben weitgehend erfüllen können. Welchen - wiederum schmerzlichen - Preis er manchmal dafür zu zahlen hat, wird noch zu beleuchten sein.

Ist der Schmerz einfach da, ohne jeden Hinweis auf eine organische Beeinträchtigung, dann wirft der Peiniger damals wie heute immer wieder Rätsel auf. Die Erfahrung des Arztes macht jedoch diese Lücke, was die Kenntnis über die wahren Schmerzursachen betrifft, wieder wett. Da hilft schon eine sorgfältige Anamnese (Krankengeschichte), verbunden mit enger gezielten Befragung über die Bedingungen des Schmerzes: Was löst ihn aus? Was steigert ihn? Was lindert ihn?

Lange Zeit wurde der sogenannten Schulmedizin der Vorwurf gemacht, sie orientiere sich zu sehr an lokalen Symptomen und lasse den Blick auf den ganzen Menschen als psychosomatische Einheit vermissen. Heute besteht eher die Gefahr, dass allzu viele Schmerzsymptome voreilig als "psychogen" klassifiziert werden.

Dass der Schmerz auch psychisch entstehen kann, beweist der sogenannte Phantomschmerz, der zum Beispiel das Erlebnis von schmerzenden Gliedmaßen vermittelt, obwohl diese - etwa nach einer Amputation - nicht mehr vorhanden sind.

Andererseits wissen wir, dass anhaltende starke Schmerzen auch die Persönlichkeit eines Menschen oder sein Bewusstsein verändern können: Man ist „wahnsinnig vor Schmerzen“.

Was nun jene Schmerzen angeht, die Ausdruck einer organischen Schädigung sind, so muss man wissen, dass nicht alle Teile des Organismus schmerzhaft sind. Das Gewebe der inneren Organe zum Beispiel verhält sich gegenüber Schädigungen stumm. Auch das Gehirn ist nicht schmerzempfindlich.  Hier sind es die Häute, die die inneren Organe umkleiden, welche einen Schmerz signalisieren können. Die Kunst des Arztes besteht nun darin, die in alle möglichen Richtungen ausstrahlenden Schmerzen richtig einzuordnen.

Die Stärke des Schmerzes ist zwar nicht exakt messbar, da für jeden Menschen individuelle Kriterien gelten, die sich nicht in Messziffern ausdrücken lassen. Der erfahrene Arzt kann jedoch aufgrund seiner Untersuchung  (z.B. Temperaturmessung) den Schmerz „bewerten“ und danach seine Therapie aufbauen. Diese Bewertung beruht auf der vergleichenden Erfahrung vieler Ärztegenerationen.

Alte Erfahrungen und neueste Erkenntnisse über den Schmerz ermöglichen dem Arzt erst den richtigen diagnostischen Ansatz. 

Was können wir tun? Wir sollten unseren Körper sehr genau beobachten. Schließlich kennen wir ihn lange genug. Wir haben schon ein Gespür dafür, wann es unbedingt notwendig ist, zum Arzt zu gehen. Man sollte auf keinen Fall zu lange mit Haus- und schon gar nicht mit Schmerzmitteln herum experimentieren. Für kurze Zeit können Sie aber durchaus Naturheilmittel anwenden.

Am Beispiel der schlimmsten Peiniger der Menschen, i der Migräne und dem Kopfschmerz, möchte ich einige Erste-Hilfe-Maßnahmen nennen, die man zu Hause durchführen kann.

Im Vorstadium der Migräne  ist eine starke Tasse Kaffee zusammen mit einem Aspirin eine schnelle Hilfe. Ebenso könnte man bei beginnender Attacke einen Wattebausch mit Zitronenöl oder Pfefferminzöl tränken und tief atmend an die Nase halten. Zwei Tropfen Lavendelöl, gemischt mit fünf Tropfen Olivenöl an Schmerzpunkten einmassieren. Auch die Homöopathie hilft schneller als manche denken. Die Phytotherapie hält eine Reihe von Teemischungen bereit: Lavendelblüten, Melissenblätter, Hopfenzapfen, Rosmarinkraut, Pfefferminzkraut und Fenchelfrüchte. 10 bis 20 Gramm von jeder Sorte zu einer Mischung aufbereiten. Ein Esslöffel dieser Mischung mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen. Zehn Minuten ziehen lassen. Täglich zwei bis drei Tassen trinken. Denken Sie auch an die Akupressur: Wiederum bei Kopfschmerz: Abwechselnd die rechte und linke Großzehe zwischen Daumen und Zeigefinger kräftig pressen. Und dann ist da auch noch die Kneipp-Therapie: Kalte oder warme Kompressen (je nach augenblicklicher Gefühlssituation) auf Schmerzstellen legen und luftdicht abdecken. Diese wenigen Beispiele mögen zeigen, dass man sehr wohl viel für sich tun kann, ohne Nebenwirkungen  befürchten zu müssen. Sollte jedoch der Schmerz auch nach wenigen Tagen nicht verschwinden, ist ein Arztbesuch unabdingbar.

 

Felix H. Bendig, Medizinjournalist, Mentaltrainer und Buchautor

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